Ein Buch in einer Fremdsprache schreiben

Bücher auf einer anderen Sprache schreiben: Ja oder nein?

Immer wieder taucht bei Autoren die Frage auf, ob sie auch in einer Sprache, die nicht ihre Muttersprache ist, Bücher schreiben und veröffentlichen dürfen, können, ja vielleicht sogar sollten.

Ich habe mich das selbst schon oft gefragt und deshalb nachgeforscht. Wenn Du also auch zu den Glücklichen unter uns gehörst, die mehrere Sprachen sprechen, möchte ich Dir im heutigen Blog-Beitrag helfen, diese Frage zu beantworten.

Da die meisten Autoren gerne auf englisch schreiben würden, beziehen sich meine Beispiele vorwiegend auf englische Bücher. Für jede andere Sprache gilt aber natürlich das selbe.

Englische Bücher verkaufen sich doch viel besser. Oder nicht?

Eines der häufigsten Argumente dafür, dass Autoren auch auf englisch schreiben sollten, ist, dass es hierfür einen größeren Markt gibt. Aber stimmt das eigentlich? Musst Du englische Bücher schreiben, um wirklich Erfolg zu haben?

Die kurze Antwort ist: Du musst gar nichts.

Niemand kann Dir vorschreiben, was genau Du als Autor zu tun und zu lassen hast. Das ist ja grade das Schöne am Schreiben. Du bist der Schöpfer Deiner eigenen Welt und Du kannst damit machen, was immer Du willst!

Natürlich löst diese Aussage Dein Problem nicht, ich weiß. Schauen wir uns deshalb ein paar Gründe an, warum diese These absoluter Unsinn ist.

Schreiben ist so individuell wie Du selbst

Wir Autoren sind kreative Köpfe. Manche würden sagen: Künstler. Ich mag diese Bezeichnung. Denn überleg mal. Wir erschaffen komplexe Charaktere, sogar ganze Welten und bringen im Idealfall wildfremde Menschen zum Lachen oder zum Weinen.

Ein richtig gutes Buch spricht den Leser in seinem Innersten an, es bewegt ihn. Für mich waren das immer Geschichten, die die Seele des Autors der Seele des Lesers erzählt. Ohne Filter, ohne Limitierungen.

Das mag für Dich vielleicht zu spirituell klingen und das ist okay. Aber was ich Dir damit sagen will ist, dass Emotionen beim Schreiben unheimlich wichtig sind. So wie überall in der Kunst.

Glaubst Du nicht? Stelle Dir einfach mal folgende Fragen

  • Bei welchem Film hast Du das letzte Mal geweint und warum?
  • Welche Musik hörst Du, wenn Du traurig bist? Welche, wenn Du glücklich bist?
  • Hast Du schon mal mit dem Protagonisten eines Romans mitgefiebert und gefeiert, wenn er sein Ziel erreicht hat bzw. geweint, wenn er es nicht erreicht hat?
  • Hast Du schon mal geweint, weil eine fiktionale Figur (im Buch oder Film) gestorben ist? Haben wir alle, sei ehrlich 😉
  • Hast Du schon mal staunend vor einem Bild gestanden und Dich gefragt, warum Du davon so fasziniert bist?
  • usw.

Das alles sind Emotionen, die Grundlage unseres Lebens. Es hat einen Grund, dass wir uns lieber Lieder anhören, die Gefühle transportieren als solche, die bloße Technikübungen für den Sänger oder Instrumentalisten sind.

Der Leser erwartet Ehrlichkeit

Ein Buch zu schreiben, das Du selbst nicht fühlst oder vielleicht sogar gar nicht schreiben willst, macht absolut keinen Sinn. Und Leser merken das schneller, als Du „Glaubwürdigkeit“ sagen kannst.

Wenn Du nun also ein Buch auf englisch schreibst, obwohl Du Dich damit nicht wohl fühlst und eigentlich auch viel lieber auf deutsch schreiben würdest, tust Du damit niemandem einen Gefallen.

Bleib bei Dir und schreibe das, was sich für Dich gut und richtig anfühlt. Egal auf welcher Sprache. Deine Leser werden es Dir danken 😉

Der deutsche Buchmarkt ist groß genug. Ehrlich.

Mal ehrlich. Deutschland hat über 80 Millionen Einwohner. Hinzu kommen andere deutschsprachige Länder wie Österreich und die Schweiz. Das sind eine Menge Leute.

Als Bestseller wird ein Buch offiziell dann bezeichnet, wenn es sich mindestens 100 000 mal verkauft hat. Und selbst einen Millionenseller könntest Du mit nur einem Bruchteil der deutschen Bevölkerung immer noch locker schaffen.

Es ist also vollkommener Schwachsinn, wenn Dir jemand erzählt, der deutsche Buchmarkt wäre nicht groß genug.

Ist der englischsprachige Buchmarkt größer? Ja. Aber dafür ist die Konkurrenz auch größer.

Und was nützt es Dir, wenn es zwar mehr potenzielle Leser gibt, Dein Buch diese aber nicht anspricht, weil Du selbst nicht davon überzeugt bist? Eben. Nichts.

Es gibt immer noch die Möglichkeit der Übersetzung

Um ein Buch auf englisch (oder jeder anderen Sprache) zu veröffentlichen musst Du es nicht auf dieser Sprache schreiben. Es gibt professionelle Übersetzer, die genau dafür da sind.

Wenn Du Dein Buch also unbedingt auf einer Fremdsprache veröffentlichen möchtest, kannst Du es auf diesem Weg tun und Dich beim Schreiben trotzdem auf das konzentrieren, was Du am besten kannst 😉

Schreiben soll Spaß machen

Klar macht Schreiben nicht immer nur Spaß, das hast Du sicher auch schon gemerkt. Aber in erster Linie sollte es das tun. Jedenfalls ist das meine Sicht der Dinge. Wenn Du nämlich nur Bücher schreiben möchtest, um reich zu werden, solltest Du Dir über die Jobwahl vielleicht nochmal Gedanken machen.

Wir sind uns also einig, dass der Job des Autors zwar nicht immer nur spaßig und easy-going ist, aber im Grunde schreiben wir doch, weil wir es lieben. Und das soll auch so bleiben.

Nichts vermiest Dir die Schreiblaune so schnell wie Schreibblockaden und Themen, die Du nicht wirklich bearbeiten möchtest. Schreibblockaden kommen ganz oft daher, dass wir nicht genau wissen, was wir eigentlich erzählen wollen oder wie wir weiter machen sollen.

Wenn das Kind schon in den Schreibblockaden-Brunnen gefallen ist, kannst Du hier nachlesen, wie Du es am besten wieder raus holst.

Ansonsten ist die beste Abwehr gegen Schreibblockaden und Motivationsverlust aber, dass Du Dich mit dem, was Du schreibst, wirklich identifizieren kannst und es gern tust.

Ständiges Nachdenken unterbricht den Schreibfluss und verhindert den Flow

Wenn Du nun aber auf einer Sprache schreibst, die Du nicht absolut perfekt beherrscht, musst Du öfter überlegen, wie Du Dinge richtig ausdrücken kannst. Das ist ganz natürlich und eigentlich auch nicht weiter dramatisch.

Es stoppt aber Deinen Schreibfluss. Und der ist wichtig. Nur so kommst Du nämlich in den sogenannten Flow, in dem dir alles leichter von der Hand geht und die Worte einfach so aus Dir heraus sprudeln. Das sind die Momente, in denen das Schreiben am meisten Freude bereitet.

Kommt Dir der Schreibfluss abhanden, kannst Du auch nicht in den Flow kommen. Und dann wird es anstrengend.

Damit möchte ich nicht sagen, dass es niemals anstrengend sein darf, ein Buch zu schreiben. Das wird es von Zeit zu Zeit sein, verlass Dich drauf. Aber es sollte nicht zu sehr ausarten, weil Du Dein Projekt sonst niemals durchziehen wirst. Und wenn doch, wird es ewig dauern.

Schreibe also lieber in einer Sprache, in der Du auch ohne groß nach Worten suchen zu müssen denken kannst. Das muss dann schon fast Muttersprachenniveau sein. Übersetzen lassen kannst Du Dein Buch später immer noch, wenn Dir das wichtig erscheint.

Heißt das, ich darf keine fremdsprachigen Bücher schreiben, wenn es nicht meine Muttersprache ist?

Natürlich darfst Du. Wie gesagt, Du darfst alles. Und wenn Du Dich damit sicher und wohl fühlst: Go for it! Es kann eine wunderbare und bereichernde Erfahrung sein, ein Buch in einer fremden Sprache zu verfassen. Ich zum Beispiel schreibe sehr gerne auf englisch. Sogar lieber als auf deutsch 😉

Wie heißt es doch so schön? Alles kann, nichts muss. Es gibt hier kein Richtig und Falsch. Ausschlaggebend ist einzig und allein, wie Du Dich am wohlsten fühlst.

Mir ist nur wichtig, dass Du aus den richtigen Gründen eine andere Sprache für Deine Bücher wählst. Und zwar, weil Du es wirklich willst und Spaß dabei hast. Und nicht, weil Du das Gefühl hast, dass Du sonst keine Chance hast oder dass es von Dir erwartet wird.

Wenn Du Dich jedoch dafür entscheidest, auf einer anderen Sprache zu schreiben, solltest Du einige Dinge beachten. Zu diesem Thema kommt die nächsten Tage ein extra Artikel von mir. Vergiss also nicht, regelmäßig vorbei zu schauen oder trage Dich am besten einfach schnell in meinen kostenlosen Newsletter ein, damit Du diesen Artikel auf keinen Fall verpasst!


Noch Fragen?

Ich hoffe, ich konnte Dir bei Deiner Entscheidung ein bisschen helfen. Wenn Du noch Fragen zu dem Thema hast, kannst Du mir gerne eine Nachricht schreiben. Ich helfe Dir gerne weiter.

Was ist Deine Meinung zu dem Thema?

Lass außerdem gerne einen Kommentar da. Mich interessiert wirklich, wie Du das siehst und ob Du auch schon mal in Erwägung gezogen hast, ein Buch auf einer anderen Sprache zu schreiben. Auch Tipps für andere Autoren sind natürlich gern gesehen. Wir müssen schließlich zusammen halten 😉


So, das war’s für heute. Danke, dass Du da warst und bis bald!

Deine Marina

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